EntdeckerOase

Vor 40 Jahren beschrieb Neil Postman in seinem gleichnamigen Buch „Das Verschwinden der Kindheit“.
Er wies darauf hin: „Wie die Unterschiede in der Kleidung (zwischen Erwachsenen und Kindern), so
verschwinden auch die auf den Straßen unserer Städte einst deutlich sichtbaren Kinderspiele immer mehr.
Es scheint, dass wir kaum noch wissen, was ein Kinderspiel ist.“
Es sind aber auch weitgehend die Möglichkeiten verschwunden, dass Kinder Erwachsene bei ihrer Arbeit
erleben und nachahmen können und dass sie in der Natur eigene Erfahrungen erwerben und verarbeiten
lernen.
Kinder sind sehr verschieden und brauchen ihre individuellen Erlebnis- und Lern-Gelegenheiten. Dazu
gehören vielfältige Spiele allein und in Gruppen, reales Naturerleben, aber auch echte Begegnungen mit
Erwachsenen, die mit Begeisterung arbeiten können.
Hier will unsere Schule ansetzen und Kindern ermöglichen und sie anregen, eigene Erfahrungen zu
machen und an diesen für ihre Entwicklung und ihr Leben zu lernen. Dazu wollen wir mit Handwerkern,
Künstlern und Gärtnern oder Bauern zusammenarbeiten, die bereit sind, Kinder an ihrer sinnvollen
praktischen Arbeit teilhaben zu lassen.
Auf solchen Erfahrungsuntergründen können dann Kulturtechniken lebensnah erworben und
Schulbildung mit Hand, Herz und Kopf in vielfältiger Weise weiter entwickelt werden.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit

Christine Beutler


Unser ausgearbeitetes Konzept

Unser Konzept können Sie als PDF hier herunterladen.


Vorwort

Ein Ort zum Lernen, zum Entdecken, zum Ausprobieren – ein Platz zum zusammen sein, gemeinsam Ziele erreichen, zum Fehler machen dürfen – all das und noch viel mehr wird unser Lernort sein.

Es ist Zeit, dass Kinder sich selbst wahrnehmen und erkennen, was ihnen gut tut und was in ihnen steckt. Es ist Zeit für Anerkennung der Familie als wichtigste Einheit in einer großen Gemeinschaft.

Es ist Zeit, dass die Schule / der Lernort wieder einen festen Platz in der Ortschaft hat und sich die Einwohner aktiv in die Ausgestaltung des Tagesablaufes einbringen können.

Unser Lernort schafft Räume – Freiräume –, Raum für Kreativität. Raum zum allein und in Gemeinschaft lernen und spielen.

Unser Lernort führt zusammen: jeder, der Teil unseres Herzensprojektes sein möchte, findet seinen Platz.

Unser Lernort gibt Zeit: Zeit zum Lernen im individuellen Tempo, Zeit zum Spielen, Zeit zum Basteln, Knobeln, Werken und Zeit zum Nachdenken und Reflektieren.

Unser Lernort in der Natur: so viele Lerninhalte wie möglich „be-greifen“ wir in unserer unmittelbaren natürlichen Umgebung; fachübergreifend und ganzheitlich.

Unser Lernort und das Handwerk: wir wirken dem Fachkräftemangel in unserer Region aktiv entgegen. Wir öffnen uns nach außen, bauen ein Netzwerk mit ortsansässigen Unternehmen auf, in denen unsere Kinder regelmäßige Praktika durchführen. Dies dient einerseits der Potentialentfaltung und andererseits der Lehrlingsfindung für die Unternehmen.

Ein ganzheitlicher Ort zum Lernen, Leben und Lachen – das ist unser Herzensprojekt, welches im Schuljahr 2023/24 Wirklichkeit wird.

1. Ziel und Ideal:

Ziel unserer Schule ist, Kindern die Wege zu ebnen, sie zu begleiten und ihnen zu helfen, sich zu sozial verantwortungsbewussten, schöpferischen und selbstbewusst-aktiven Mitgestaltern der Gesellschaft entwickeln zu können.

Dazu ist nötig, die Kinder mit ihrer Umwelt – angefangen von der häuslichen Umgebung und den einfachen Alltagstätigkeiten, über das natürliche und soziale Umfeld, bis hin zu Technik, Astronomie und Philosophie – vertraut werden zu lassen; die Welt zu ihrer Heimat und sie sich zu Weltbürgern entwickeln zu lassen.

Wir wollen ihnen Gelegenheiten schaffen, die individuell in ihnen veranlagten Fähigkeiten zu entdecken und ausbilden zu können und diese fruchtbar in soziale Prozesse eingliedern zu lernen.

Dabei wird angeregt, Zukunftsideale zu bilden, nach denen sie später die dann gegebenen Lebens- und Arbeitsverhältnisse Schritt für Schritt umzugestalten und weiterzuentwickeln fähig werden.

Jedes Kind kann sich von den Erwachsenen (Lernbegleitern, Lehrern, Betreuern) einen Vertrauensbegleiter wählen, der ein offenes Ohr und Herz für dieses Kind und dessen Sorgen und Probleme hat.

Kinder mit besonderem Förderbedarf können in die EntdeckerOase integriert werden.

Es wird angestrebt, die Schule als sich entwickelnden Organismus zu begreifen und zu gestalten, der sich verändernden und neuen Aufgaben durch jeweils andere Kinder und sich wandelnde Bedingungen lebendig anpassen kann.

2. Pädagogisch-Menschenkundliche Grundlagen

„Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes.“ 1

Kinder sind individuelle Menschen mit den unveräußerlichen Grundrechten auf Menschenwürde und der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit, soweit diese Entfaltung nicht die Rechte anderer verletzt.2

Kinder sind Wesen, die für ihre seelische Entwicklung alters- und entwicklungsgemäße Anregungen und Förderung benötigen.
Kinder sind lebendige Wesen, die zur Bildung und Entwicklung ihres gesunden organischen Leibes einer heilsame Umgebung, angemessener Bewegung und gesunder Nahrungsmittel bedürfen.

Zielführende Grundlagen sind
 • das Erleben von Erwachsenen, die aus freier Initiative und mit Sachkenntnis und Erfahrung sinnvoll arbeiten,
 • die Pflege vorhandener und Anregung neuer Interessen,
 • die Förderung eigener Initiativen,
 • das Üben von Ausdauer und Durchhaltevermögen,

und mit zunehmendem Alter
 • üben detailliert vorausschauender Planung,
 • gemeinsame Gliederung und Verteilung von Arbeiten und
 • bewusstes Reflektieren und Auswerten der gemachten Erfahrungen, sowohl individuell als auch in Zusammenarbeit in Gruppen.

1) Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfpädagogik.
2) Grundgesetz, Art. 1 und 2.


2.1. Was Kinder brauchen

Wenn wir die Kinder nicht nur zu nützlichen aber auswechselbaren Teilen der gegenwärtigen Gesellschaftsverhältnisse erziehen und prägen, sondern ihnen individuelle Entwicklungen ermöglichen wollen, aus denen heraus sie ihre zukünftigen Lebens-, Arbeits- und Sozialformen mit anderen gemeinsam selbst gestalten lernen, sind dafür die Bedingungen zu schaffen. Andernfalls verfestigen wir die gegenwärtigen Verhältnisse und verhindern Zukunft. Statt immer weitergehender perfekter Normierung von Bildung und Schulen ist eine Hinwendung zu vielfältigen und in Beziehung zum realen Leben stehenden Entwicklungsräumen nötig, die sowohl den allgemeinen als auch den erst nach und nach in Erscheinung tretenden individuellen Entwicklungsbedürfnissen der jeweils anwesenden Kinder möglichst umfangreich gerecht werden können.
• Kinder brauchen Bewegung wie Pflanzen den Regen.
• Kinder brauchen Freude wie Blumen das Sonnenlicht.
• Kinder brauchen verlässliche, liebevolle und freilassende menschliche Beziehungen.
• Kinder lernen durch ihre Erfahrungen; Erfahrungen werden durch eigenes Tätigsein und Erleben erworben.
• Kinder brauchen Begeisterung für ihre Tätigkeiten.
• Kinder brauchen sinnvolle Bewegungen; dadurch bilden sich Geschicklichkeit und lebenspraktische Intelligenz.
• Kinder brauchen Wiederholung und Rhythmus zur Bildung von Gemüt und Willen.
• Kinder brauchen regelmäßige und bewusst wiederholte Tätigkeit zur Kultivierung des Willens.
• Kinder brauchen Spiel; aus der Hingabe an das Spiel bildet sich die Fähigkeit zu konzentrierter Arbeit.
• Kinder brauchen Erwachsene, an denen sie sich orientieren können und die sie arbeitend erleben.
• Kinder brauchen Erwachsene, die für ihre Ideale einstehen, an denen sie sich aufrichten können.
• Kinder brauchen gemeinsames Spielen. Zusammenspiel und gemeinsame Arbeit bilden die Grundlagen für soziale Fähigkeiten.

2.2. Jugendliche suchen Herausforderungen

Jugendliche suchen Herausforderungen in der Welt und prüfen die Integrität ihrer Umgebung. Sie suchen sich ihre Vorbilder, denen sie „die Wege zum Olymp folgen“ wollen. Sie können scharfe Kritik üben und – bei anderen – kleinste Fehler finden. Anerkennung erhält von ihnen, wer sein Fachgebiet beherrscht und als gereifter Mensch ihrer „Prüfung“ standhält. Jetzt werden Fachleute der verschiedensten Gebiete benötigt, die den Jugendlichen kraft ihres Könnens Orientierung geben, Kenntnisse vermitteln und das Üben von Fähigkeiten anregen.

Wir wollen Jugendliche mit sinnvollen Aufgaben an die Grenzen ihres jeweiligen Könnens und ihrer Möglichkeiten führen. An diesen erleben sie in deren schrittweiser Überwindung ihre wachsenden Fähigkeiten. Diese Erfahrung vermittelt ihnen Vertrauen, ihre zukünftigen Lebensaufgaben meistern zu lernen. Und sie gibt ihnen auch die Stärke, dem Suchtpotential von Computerspielen und Drogen zu widerstehen.

2.3. Das Kind als Maß aller Dinge

Der angestrebte Maßstab für alle Maßnahmen sind die konkret anwesenden Kinder mit ihren individuellen Interessen, Veranlagungen, Bedürfnissen und Fähigkeiten, aber auch ihren unterschiedlichen Entwicklungs- und Lerntempi.

Lehr-, Lern- und Entwicklungspläne sind diesem Maßstab unterzuordnen.

Im Idealfall umfasst die Gestaltung eines Lernortes für Kinder der Unter- und Mittelstufe eine gesunde natürliche Umgebung, in der „jene elementaren Arbeiten verrichtet [werden], die die existenzielle Grundlage für das menschliche Leben auf der Erde schaffen, und zwar Ackerbau, Viehzucht, Gartenbau, die dazugehörigen Handwerke und Hauswirtschaft und Vermarktung. Dort kann das Kind in der unmittelbaren Berührung mit den Naturreichen in dem Willensstrom der Erwachsenen mitgenommen werden“3, wenn diese Arbeiten dem realen Leben dienen und nicht nur aus pädagogischer Absicht künstlich gestaltet wurden.

Dieses Ideal wird, wie auch andere Ideale, nicht vollständig verwirklicht werden können, aber es soll als Orientierung dienen, um die jeweils konkret möglichen Maßnahmen danach auszurichten.

An diesem Ideal orientiert werden sich die EntdeckerOase und ihre Mitarbeiter gemeinsam mit den Kindern weiterentwickeln.

3) Guttenhöfer – Entwurf eines handlungspädagogischen Bildungsweges

3. Die tragende Gemeinschaft

Die Gemeinschaft der EntdeckerOase bildet sich aus den Kindern, ihren Lernbegleitern/Lehrern, den Eltern, Handwerkern im weitesten Sinne, Künstlern und Rentnern. Dieses generationenübergreifende Zusammenwirken soll Möglichkeiten eröffnen, die über diejenigen allgemeiner Lehrpläne hinausgehen.

Die Einbindung von Rentnern, die Märchen und Geschichten erzählen oder vorlesen, aber auch aus ihrem Leben erzählen, kann lebendiges Interesse an Geschichte anregen. Und sie kann damit überzeugend vermitteln, wie sich die menschlichen Lebensverhältnisse im ständigen Wandel befinden. Weiterhin wird das Erleben von Menschen, die vielleicht beim Erzählen stricken, Kinder über Nachahmung und Mitmachenwollen anregen, selbst solche Tätigkeiten zu lernen. Auf solchen Wegen soll mithilfe der Entwicklung der Feinmotorik die differenzierte Ausbildung der organischen Grundlagen des Denkens gefördert werden.4

Das Erleben von Künstlern und Handwerkern, die hingebungsvoll ihrer Arbeit nachgehen, wird Kinder anregen, diese Tätigkeiten selbst lernen zu wollen und zu üben.

So soll eine Gemeinschaft von Menschen um den Lernort EntdeckerOase gebildet werden, die die „Schule“ gemeinsam tragen, das Konzept den sich wandelnden Bedürfnissen und Interessen der Kinder anpassen und den Kindern in unserer hochtechnisiert durchgestalteten und spezialisierten Welt Raum bieten, die Fähigkeiten und Kräfte zu entwickeln, mit denen sie ihre Zukunft gestalten können.

Ein wichtiges Mittel zur Bildung und Pflege einer solchen Gemeinschaft sind die unter Punkt 5.1. angedeuteten Konferenzen.

4) Hirnforschung, Hüther u. a.

4. Wirtschaftlich-finanzielle Grundlagen

Neben der öffentlichen Finanzierung der Schule stützt sich der wirtschaftliche Betrieb der Schule zusätzlich auf

• Elternbeiträge; die Schulgeldvereinbarung mit den Eltern wird zeitlich nach der Aufnahme von Kindern verabredet. Damit wird die Aufnahme eines Kindes in die EntdeckerOase in gewissem Maße unabhängig von der finanziellen Leistungsfähigkeit seiner Eltern. Um den notwendigen Bedarf zu sichern und den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen erfolgt einer sozialer Ausgleich (siehe Punkt 6.1. c.)

• Gemeinsame Arbeitseinsätze von Eltern, Lernbegleitern/Lehrern und freiwilligen Helfern zur Einrichtung, Pflege und Erhaltung der Gelände und der Gebäude.

• Spenden, die durch den Verein EntdeckerOase e. V. eingeworben werden.

Die Zeit bis zur Finanzierung aus öffentlichen Mitteln wird durch ein Darlehen überbrückt, für das Eltern, Mitarbeiter und Freunde Bürgschaften übernehmen.

5. Wege zum Ziel

5.1. Konferenzen

Die «Schule» als «Hülle» der kindlichen Entwicklung bildet die Wege zum Leben als mündige Erwachsene. Durch Lernbegleiter/Lehrer, die gemeinsam verantwortungsvoll und bewusst «Schule» gestalten, erleben die Kinder Vorbilder der Gestaltung des eigenen Lebens. Es ist deshalb notwendig, die Schule als «lernenden Organismus» zu begreifen und zu entwickeln, der nicht von außen fremdbestimmt, sondern von den Beteiligten aktiv und schöpferisch, sowohl den Bedürfnissen der anwesenden Kinder als auch den äußeren Notwendigkeiten gemäß, ausgewogen gestaltet und immer wieder angepasst werden muss. Eine Schule, die sich nicht den wandelnden Bedürfnissen anpasst, wirkt wie Schuhe, die zu klein für die wachsenden Füße geworden sind; sie behindert das freie und aufrechte «Gehenlernen».

Die Konferenzen sind die Orte, an denen gemeinsam die Schule weiterentwickelt wird. Mittel dazu sind regelmäßig wiederkehrende gemeinsame Besinnungen auf das Gewordene, aber auch auf die sich verändernden Bedingungen der sozialen und technischen Umwelt, und ganz besonders der Bedürfnisse und Anlagen der Kinder. Welche Konferenzen nötig und in welchem Rhythmus und welcher Zusammensetzung sie sinnvoll sind, ergibt sich aus der konkreten Arbeit und der jeweiligen Lebens- und Entwicklungssituation der Schule. Das Herz der Schulentwicklung ist aber die regelmäßig durchgeführte pädagogische Konferenz.

Die Leitung von Konferenzen wird von den Teilnehmern der jeweiligen Konferenz bestimmt.

a) Pädagogische Konferenz

Es wird angestrebt, sowohl die Erkenntnisse psychologischer, entwicklungspsychologischer, pädagogischer, psychosomatischer und der Hirn-Forschung zu berücksichtigen, als auch die Erfahrungen unterschiedlicher pädagogischer Strömungen zu integrieren.

Um dies möglichst weitgehend zu ermöglichen, werden in wöchentlich stattfindenden pädagogischen Konferenzen von den beteiligten Lernbegleitern/Lehrern vorbereitete Beiträge zu solchen Themen vorgetragen und gemeinsam beraten. Zusätzlich werden die Lernbegleiter/Lehrer in größeren zeitlichen Abständen an Fortbildungen und Seminaren teilnehmen, bzw. externe Fachleute in die pädagogischen Konferenzen einladen.

Weiterhin werden Fragen des pädagogischen Alltags, die konkreten Erfahrungen und die Situation einzelner Kinder und ganzer Gruppen in diesen Konferenzen beraten und damit die Basis für die Verbesserung der alltäglichen Praxis und für die weitere Entwicklung des Schulkonzeptes gelegt. Solche Beratungen bilden die Grundlagen für verantwortbare Freiheit der einzelnen Lernbegleiter/Lehrer in der Gestaltung der konkreten Lernsituationen und im Umgang mit den Kindern.

b) Gesamtkonferenz

Die Gesamtkonferenz bildet sich aus den Mitarbeitern der Schule (verpflichtende Mitarbeit), Eltern, kooperierenden Handwerkern und Künstlern auf eigene Initiative und delegierten Vertretern der Schüler (frühestens ab 12 Jahren). Für festangestellte Mitarbeiter der Schule ist die Teilnahme an der Konferenz verpflichtend. Für alle weiteren erwünscht, aber freiwillig; einzige Bedingung: regelmäßige Mitarbeit außer bei begründeten Ausnahmen.

In der Gesamtkonferenz werden Fragen von allgemeinem Interesse beraten und ggf. entschieden (sofern keine Bedenken aus der Schulleitung vorliegen), aktuelle Entwicklungen und Initiativen vorgestellt und allgemein das gemeinsame Wirken und Leben in der Schule gepflegt.

Häufigkeit und Termine der Gesamtkonferenz werden in dieser Konferenz, bzw. von dem bestätigten Konferenzleiter, nach Bedarf festgelegt.

c) Schulführung

Die Schulführung erfolgt „funktional“ durch befähigte und aktive Mitarbeiter, denen das Vertrauen der anderen ausgesprochen wurde. Die Mitarbeiter der Schulführung sind jeweils verantwortlich für bestimmte Bereiche oder konkrete Aufgaben. Die Übernahme von Führungsaufgaben erfolgt durch Initiative Einzelner und – möglichst einmütige – Zustimmung der zuständigen Konferenz. Die Qualität der Schulführung wird durch regelmäßige Evaluation (jährlich) gesichert.
Die Vertretung der Schule nach außen wird durch Mitarbeiter mit zugesprochenen Führungsaufgaben vorgeschlagen und durch die Gesamtkonferenz bestätigt.

5.2. Lernumfeld

Damit die angestrebten Freiräume zum Lernen und zur individuellen Entwicklung sinnvoll genutzt werden können, bedarf es der verantwortungsvollen Gestaltung des Lernumfeldes durch die Lehrer/Lernbegleiter. Dies betrifft sowohl die direkte Gestaltung der Räume und des bereitgestellten Materials als auch die Eingliederung der im Folgenden beschriebenen Bereiche.

Raum- und Nutzungskonzepte werden für jeden Schulstandort und an dessen konkrete Möglichkeiten erstellt und angepasst.

a) Natur

„Ja, wir sehen endlich ein, dass eine gesunde Erziehung der Kinder nur daraus kommen kann, dass wir Erwachsenen uns selbst wieder zur Erde hin erziehen: zu den Elementen, den Pflanzen, den Tieren.“ 5

Der Mensch ist sowohl Teil der Natur als auch ihr Gestalter. Die uns umgebende Landschaft ist eine durch Jahrtausende geprägte Kulturlandschaft, die nur durch ständige Pflege in ihrer Arten- und Erscheinungsvielfalt erhalten werden kann. Im spielerischen und tätigen Umgang mit der Natur können komplexe Zusammenhänge erlebbar werden, die weit über dasjenige hinausgehen, was sich im Klassenzimmer oder mit didaktischen Spielzeugen vermitteln lässt. Beim Anbau von Pflanzen kann u. a. ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt einer Tätigkeit veranlagt werden.

Im tätigen Erleben ganzheitlicher Zusammenhänge in der Natur können sich Achtsamkeit, Dankbarkeit und Verantwortungsgefühl gegenüber unserer lebendigen Umgebung und Grundlagen für ein intuitives Erfassen komplexer Zusammenhänge entwickeln. Werden diese Zusammenhänge aber auf – grundsätzlich unzulängliche – logische Beziehungen reduziert, sind Zerstörung sowohl unserer Umwelt als auch sozialer Zusammenhänge die zwingenden Folgen. Die notwendigen Erweiterungen des Denkens, um es auch zum geeigneten Werkzeug intuitiv erfassbarer, ganzheitlicher Zusammenhänge auszubilden, bedürfen der Schulung durch Kunst, der Verlebendigung des Denkens durch wechselnde Standpunkte und Hinführung zu einem peripheren Blick.6 Eine weitere Hilfe dazu liegt mit der modernen Geometrie bereits seit längerer Zeit vor.7

Im Umgang mit Tieren, besonders durch deren Versorgung und Pflege, erleben Kinder unter anderem ihr eigenes Verhalten in ihrer Umgebung «gespiegelt» und objektiviert. Sie können dadurch angeregt werden, auf dieses eigene Verhalten bewusster zu achten und lernen, es selbständig zu korrigieren. Besonders deutlich und wirksam wird dies, wenn verschieden Tierarten vorhanden und zu versorgen sind. Durch die offensichtlich erkennbare Notwendigkeit regelmäßiger Versorgung lassen sich Mitgefühl, Verantwortung und Zuverlässigkeit leichter entwickeln.

Der frühzeitige und intensive Kontakt mit der Natur – mit dem Boden, mit Wasser in Tümpeln, Bächen und Teichen, mit Pflanzen, Insekten und höheren Tieren – fördert die körperliche und seelische Gesundheit, nicht zuletzt durch Stärkung des Immunsystems, was sowohl durch allgemeine Lebenserfahrung bestätigt als auch durch wissenschaftliche Studien belegt wurde.

b) Menschen und Arbeitswelt

„Erziehung von Kindern, wie Bildung eines Lehrlings – nicht durch directe Erziehung – sondern durch allmähliches teilnehmen lassen an Beschäftigungen etc. der Erwachsenen.“ 8

Vor Jahrzehnten beschrieb Neil Postman in seinem gleichnamigen Buch „Das Verschwinden der Kindheit“. Er wies darauf hin: „Wie die Unterschiede in der Kleidung (zwischen Erwachsenen und Kindern), so verschwinden auch die auf den Straßen unserer Städte einst deutlich sichtbaren Kinderspiele immer mehr. Es scheint, dass wir kaum noch wissen, was ein Kinderspiel ist.“

Es sind aber auch weitgehend die Möglichkeiten verschwunden, dass Kinder Erwachsene bei ihrer Arbeit erleben und nachahmen können und dass sie in der Natur eigene Erfahrungen erwerben und verarbeiten lernen.

Kinder sind sehr verschieden und brauchen ihre individuellen Erlebnis-, Lern- und Entwicklungs-Gelegenheiten.

Hier will unsere Schule ansetzen und Kindern ermöglichen und sie anregen, eigene Erfahrungen zu machen und an diesen für ihre Entwicklung und ihr Leben zu lernen. Dazu wollen wir mit Handwerkern, Künstlern und Gärtnern oder Bauern aus der Umgebung zusammenarbeiten, die bereit sind, Kinder an ihrer sinnvollen praktischen Arbeit teilhaben zu lassen. Durch diese Menschen erleben die Kinder Vorbilder, die ihre Fähigkeiten (ihr Können), ihre Arbeitskraft und ihre Zeit für die Bedürfnisse anderer Menschen einsetzen; die nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern für andere tätig sind.

Im begleiteten Mitarbeiten einzelner Arbeitsgänge und der damit verbundenen aktiven Auseinandersetzung mit dem zu bearbeitenden Material machen die Kinder Erfahrungen, die komplexer und lebensvoller sind als es in abstrakten Lernprozessen möglich wäre. Auf solchen Erfahrungsuntergründen können anschließend Lerninhalte „begriffen“ und erfahrungsgesättigt bewusst erworben werden.

Je nach Alter und Interesse der Schüler werden fachkundliche Darstellungen zu Material und Werkzeugen oder Maschinen, zu Berechnungen, zur Preisgestaltung usw. die praktische Arbeit ergänzen. Durch das Zusammenwirken der verschiedenen Bereiche – Handwerk, Kunst, Natur – kann Schulbildung mit Hand, Herz und Kopf in vielfältiger Weise entwickelt werden.

Die Ergebnisse der praktischen Tätigkeit der Kinder sollen entweder sinnvoll gebrauchsfähige oder künstlerisch gestaltete Produkte sein. Arbeitssimulation oder so tun „als ob“ ist nicht erwünscht. Je älter die Kinder sind, umso wichtiger ist es, dass die Ergebnisse ihre praktischen Tuns in einem sinnvollen Zusammenhang stehen. Kinder wollen mit ihrer Tätigkeit ernst genommen werden.

c) Kunst

Malen und Zeichnen gehören zu den elementaren Bedürfnissen jedes Kindes. Durch künstlerisch angeregtes Üben dieser Tätigkeiten können seelische Qualitäten kultiviert und sowohl Aufmerksamkeit als auch genaue Beobachtung gefördert werden. Ähnliches gilt für plastisches Gestalten.

Des Erleben von Musik und Gesang im Alltag, und auf gehobenerem Niveau zu Festen und besonderen Anlässen, bietet Kindern Anregung, selbst z. B. ein Musikinstrument lernen zu wollen. Ggf. kann es sinnvoll sein, nicht sofort auf solch einen Wunsch einzugehen und auf später zu vertrösten. Dadurch kann die Kraft des Wunsches so verstärkt werden, dass er auch die nach einiger Zeit kommenden Krisen übersteht. Regelmäßige Schülervorspiele unterschiedlicher Altersgruppen und gemeinsames Musizieren halten die Begeisterung für Musik am Leben.

Vom spielerischen Umgang mit Sprache in Kinderreimen über Wortspiele und Lautmalereien bis zu anspruchsvoller Lyrik und Prosa großer Dichter bietet Literatur ein weites Feld interessanter Betätigung. Durch den Umgang mit künstlerisch gestalteter Sprache können Empfindungen, Gefühle und Gedanken anderer Menschen aufgenommen werden. Damit bieten sich Möglichkeiten, die eigene seelische Innenwelt zu erweitern und Verständnis für andere Standpunkte und Kulturen zu entwickeln. Grammatik kann so zu einem spannenden Erlebnisbereich werden. Orthographie bleibt natürlich zu lernende Konvention.

Auch Fremdsprachen lassen sich mit Liedern, Reimen und Gedichten von Anfang an durch Nachahmung und Mitsprechen lernen. Dann kann nach und nach der Inhalt und die Struktur, die Grammatik der Sprache bewusster erfasst werden. Ähnlich hat sich auch der Erwerb der Muttersprache entwickelt. Anfangs empfiehlt es sich, zu unbefangenem sprechen anzuregen und nicht durch direkte Korrektur, sondern wie von selbst durch wiederholtes Hören mehr unbewusst berichtigen zu lassen. Die Anwendung einer Fremdsprache zu regelmäßig wiederkehrenden Zeiten im alltäglichen miteinander reden und mithilfe des Lesens fremdsprachiger Texte werden ergänzt durch das Einstudieren von Theaterstücken. Diese werden vor der Schulgemeinschaft oder öffentlich aufgeführt.

d) Wirkungen von Material und Arbeitsgebieten

Unterschiedliche Materialien und Arbeitsgebiete wirken differenziert auf Sinneserfahrungen und die willenshafte Auseinandersetzung mit ihnen durch die Bearbeitung.

Beispiele dazu (unvollständig):

• Ton: Plastische Vorstellungen können weitgehend umgesetzt werden → „Wir können die Welt nach unseren Vorstellungen gestalten und umgestalten, allerdings nur solange sie formbar bleibt und nicht hart wird.“

Um den Ton brennen zu können, muss er gut durchgearbeitet sein und langsam getrocknet werden. Ungeduldigem Handeln folgen Risse.

• In der Hauswirtschaft wird evident, eine Arbeit ist nie endgültig abgeschlossen. Das Leben geht weiter und was schon viele Male geputzt wurde, muss wieder und wieder geputzt werden. Ebenso muss immer wieder Essen zubereitet werden, denn jede Sättigung ist vorübergehend. Trotzdem kann jeder, der sich solcher Arbeit hingibt, auch immer wieder Freude am Gelungenen erleben.

• Textilien und Leder werden beim Verarbeiten oft ganz besonders an Menschen angepasst; nicht nur an den „Geschmack“, sondern auch mit Maß und Zuschnitt (Kleidung, Schuhe).

• Holz: Die Bearbeitung muss die Struktur – die Maserung – des Holzes berücksichtigen. Beim Schnitzen ist ein ständiges Wechselspiel zwischen Tun und Wahrnehmen der Wirkung im Gesamtzusammenhang nötig. Beim Tischlern wird eine vorausgehende Planung verwirklicht.

• Metalle: Insgesamt setzen Metalle der Bearbeitung mehr Widerstand entgegen und es muss der Wille stärker entwickelt werden. Beim Schmieden sind plastische Vorstellungen mit ständiger Aufmerksamkeit und wiederholt gut dosiertem Krafteinsatz erforderlich. Dies muss auf den richtigen Zeitpunkt – der Verformbarkeit des Eisens – abgestimmt erfolgen.

Kupfertreiben erfordert ebenfalls plastische Vorstellungen, aber verbunden mit stark rhythmisierter Tätigkeit. Bei Schlosserarbeiten stehen klar durchdachte und berechnete Vorstellungen im Vordergrund.

e) Technik

So, wie wir als Menschheit in unserer historischen Entwicklung ohne die heutige Technik uns nach und nach zu der Stufe entwickelten, auf der wir heute stehen, so sollten auch Kinder die Gelegenheit bekommen, nach und nach ihre Kräfte, ihre Fähigkeiten und ihre Reife auszubilden, bevor sich die Technik zwischen das direkte Erleben der natürlichen und sozialen Umgebung schiebt und sie davon entfremdet.

Technik benutzen ohne deren Funktionsweise zu verstehen, begünstigt kritiklose Unterwerfung unter technische Prozesse, bewirkt Abhängigkeit und schafft letztlich Unsicherheit.

Da heraus ergibt sich die Aufgabe, die Kinder anzuregen, erst physikalische und chemische, später auch elektrotechnische Versuche durchzuführen. Dazu müssen ihnen die Materialien und Hilfsmittel zur Verfügung gestellt, die Gelegenheiten geboten und die Versuche so begleitet werden, dass diese sicher durchgeführt werden können. Dabei ergeben sich Gelegenheiten, auch über die Herkunft, bzw. Herstellung des jeweils benutzten Materials und der Hilfsmittel zu sprechen und das Interesse auch auf die weltweiten sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge zu lenken. Daran kann später – in mehr besinnlich-erzählerischen Teilen des Tageslaufes – angeknüpft werden, um ein Bewusstsein für die weltweiten wirtschaftlich-technischen Verbindungen und ihre sozialen Implikationen zu wecken und zu vertiefen.

5) Dr. phil Peter Guttenhöfer, 35 Jahre Oberstufenlehrer an der Freien Waldorfschule Kassel; Mitbegründer des Lehrerseminars für Waldorfpädagogik Kassel; 12 Jahre lang Lehrbeauftragter an der Universität Kassel, weltweit tätig in Lehrerbildung und Schulberatung, vormals Mitglied der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen in Deutschland
6) Prof. Wolfgang Schad: Der periphere Blick – Die Vervollständigung der Aufklärung, Stuttgart 2014
7) z. B. George Adams: Strahlende Weltgestaltung; Adams/Whicher: Die Pflanze in Raum und Gegenraum
8) Novalis: Fragment PAEDAGOGIK

5.3. Entwicklungs- und Lernwege

a) Interesse wecken und pflegen

Das Leben jüngerer Kinder ist geprägt durch nachahmen dessen, was die Menschen in der Umgebung tun. Da heraus entwickelt sich der Wille zum Mitmachen. Diese beiden Veranlagungen bieten gute Bedingungen für freilassende Lernangebote. Die Kinder müssen dazu allerdings arbeitende Erwachsene erleben können, die bereit sind, auf die Kinder einzugehen und diese erst zuschauen und später „mitarbeiten“ zu lassen. Aus dem Erleben und Mitmachen entwickeln sich Interesse und Fragen, auf die im Gespräch und vorlebend unterrichtend eingegangen werden kann. Eine Vertiefung des so Erfahrenen beginnt, wenn die Themen inhaltlich nicht abgeschlossen, sondern die Fragen erweitert und am nächsten Tag wieder aufgegriffen und möglichst praktisch und dialogisch bearbeitet werden.

Als erste Anfänge zum Wecken und Pflegen des Interesses bieten sich Hauswirtschaftliche Arbeiten an, die von Lernbegleitern ausgeführt werden und an denen die Kinder Teilnehmen dürfen(!): Herstellung der eigenen Mahlzeiten (Anfertigung von eigenem Müsli, Backen, Kochen, Verarbeiten und Haltbarmachen von Natur-, Garten- und Feldprodukten). Dabei können unterschiedliche physikalische und mathematische Gesetze und Methoden lebensnah vermittelt und Verständnis entwickelt werden. Neben der lebenspraktischen Handhabung von Mengen (Volumina und Gewichte/Masse) werden z. B. Erlebnisgrundlagen für Verhältnisgleichungen gelegt und in elementarer Form Verständnis für Zusammenhänge von Temperaturen und Aggregatzuständen mit Druckverhältnissen geschaffen. Zusätzlich ist der ganze Erfahrungs- und Lernprozess sozial eingebettet in gemeinsames Arbeiten, Arbeitsteilung und Tätigsein für die Gemeinschaft. Die Verwendung von Rezepten zur Herstellung und die Beschriftung verarbeiteter Produkte wecken auf natürliche Weise Interesse am Schreiben und Lesen. Anregung zur Anfertigung individueller Rezeptbücher unter Verwertung der praktischen Erfahrungen können das Gelernte gedanklich weiter vertiefen.

Es erweist sich allerdings oft als sinnvoll, die Kinder nicht sofort bei allen Arbeiten mitmachen zu lassen, sondern Hürden einzubauen. Wenn erst bestimmte Bedingungen eingehalten werden müssen, um eine Arbeit tun zu dürfen, steigen der Wert dieser Arbeit, der Ernst und die Gewissenhaftigkeit der Durchführung und auch die Ausdauer Arbeiten zu dürfen(!) legt den Grundstein zur Ausbildung einer menschenwürdigen Arbeitsmoral. Arbeit als Strafe zu verordnen zerstört diese Bildung. Arbeit sollte deshalb grundsätzlich niemals als Strafe eingesetzt werden, sondern nur – wenn nötig – nicht mitarbeiten dürfen.

b) Lernen durch Erleben

Die intensivste Form des Lernens ist das Lernen aus erster Hand, Lernen durch eigenes Erleben, dass zur Erfahrung wird. Dazu müssen Gelegenheiten geschaffen und genutzt werden. Radfahren oder Schwimmen lassen sich nicht rein theoretisch im Klassenzimmer lernen.

Das Erleben eines Erwachsenen, der mit Hingabe einen Brief an einen lieben Menschen schreibt, welcher vielleicht krankheitsbedingt nicht anwesend sein kann, regt Kinder viel stärker zum Briefschreiben an, als die Aufforderung, einen Brief zu schreiben, weil es im Lehrplan steht. Dabei kommt es darauf an, die entsprechenden Situationen im Leben geistesgegenwärtig zu nutzen.

Auch im Rechnen oder der Mathematik wird in vielen Bereichen das Interesse durch konkrete Lebenssituationen geweckt und die Vertiefung zur anwendbaren Fähigkeit – zum Können – erfolgt mithilfe der Anwendung in realer Lebenspraxis. Dies gilt, je nach Lebensalter, nicht nur für hauswirtschaftliche, gärtnerische und handwerkliche Arbeiten, sondern auch für die Planung von Projekten, Buchführung und Forschungsaufgaben. So wird z.B. die Trigonometrie mit praktischer Landvermessung und der Anfertigung maßstabsgetreuer Landkarten verbunden.

Physik und Chemie werden auf vielfältige Versuche aufgebaut, die in der Mittelstufe ihren Schwerpunkt haben. In der Oberstufe verlagert sich der Schwerpunkt auf Technologie. Ausgegangen wird dabei von gegebenen Situationen in Betrieben, die von den Jugendlichen erlebt werden können. Dies wird dann vertieft und erweitert zum Erfassen größerer Zusammenhänge.

c) Vom Ganzen zum Detail

Die sich immer weiter steigernde Kompliziertheit des modernen Lebens seit Beginn der Technisierung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts führte dazu, dass die Blickrichtung immer stärker auf Details und deren kausale Abhängigkeiten gelenkt wurde. Dabei ging das Empfinden für Zusammenhänge und Wirkungen außerhalb dieser Kausalketten verloren; das „Ganze“ entschwand aus dem Bewusstsein. Diese Haltung, nur Teile in den Blick zu nehmen, hat inzwischen zu schweren Störungen der natürlichen Lebensgrundlagen geführt. Diese zur existenziellen Bedrohung gewordene Situation erfordert eine grundsätzliche Umwandlung unserer Denkgewohnheiten. Die neu zu erwerbenden müssen es in Zukunft wieder ermöglichen, Details im Zusammenhang des „Ganzen“ sehen zu lernen. Die vielen Initiativen im Umweltschutz und biologischer Landwirtschaft, in der Suche nach neuen sozialen und fairen Wirtschaftsformen und Lebensgestaltungen zeigen, dass solche Impulse in vielen Menschen leben. Damit dies nicht nur Wunsch bleibt, sondern breit verwirklicht werden kann, müssen in der Kindheit Grundlagen zu dieser Umwandlung von Fühlen, Denken und Verhalten angeboten werden.

Eine bewährte Möglichkeit9 unter vielen anderen – dies zu erreichen – ist die „Einführung“ in Zahlen, alternativ zum üblichen additiven Vorgehen, in differenzierender Weise durch Gliederung einer Einheit (eines „Ganzen“) in Teile. Zur praktischen Vertiefung und gleichzeitigen Grundlegung zur Bruchrechnung bietet sich das Teilen in vielen Lebenssituationen und Gruppengrößen an; vom Teilen einer Geburtstagstorte oder der Zutaten für das gemeinsame Frühstück, über das Aufteilen gesammelter Naturmaterialien bis zur Gliederung zeitlicher Prozesse.

Eine weitere wichtige Möglichkeit bietet sich an durch die bewusste Pflege, unterschiedliche Ansichten in Beziehung zu setzen. So, wie ein Haus, ein Garten oder gar eine Landschaft von verschiedenen Standorten gesehen jeweils unterschiedliche Teil-Ansichten bieten, die erst mit dem Wechsel der Standorte sich ergänzen und vollständiger werden, können auch wissenschaftliche und soziale Ansichten als Teilwahrheiten größerer Zusammenhänge erfasst werden. Widersprüche können so anregend genutzt werden, um nach dem übergeordneten Zusammenhang zu suchen.

Wenn die Lernprozesse nicht nur abstrakt nach Plan und Lehrbuch aufgenommen, sondern aus realen Erfahrungen und Erlebnissen heraus gestaltet werden, kann durch die unterschiedlichen Interessen verschiedener Kinder ganz natürlich ein Relativieren – ein ins Verhältnis setzen – einzelner Lerninhalte vollzogen werden.

Gleichzeitig werden damit soziales Empfinden und Verständnis für andere Weltanschauungen veranlagt und ein Leben „in Gegensätzen miteinander“ ermöglicht.

d) Vertiefen durch rhythmische Wiederholung

Regelmäßige Wiederholungen kultivieren die innere Verbindung zu bekannten Inhalten. Vorher abstraktes Wissen wird dadurch zur lebendigen und empfindungsgesättigten, bewussten Erfahrung. Die vielfältigen Wiederholungen durch Tages-, Wochen- und Jahresrhythmen, durch Feste und Feiern und durch wiederkehrende „Arbeiten“ im Jahreslauf bilden aus Wissen und begleitetem Handeln neue Fähigkeiten.

e) Bildung von Gemüt, Phantasie und dynamischen Vorstellungen

In die sich mit äußeren Aktivitäten abwechselnden ruhigen Phasen des Tageslaufes werden zu täglich gleichen Zeiten „Erzähl- oder Lesestunden“ eingegliedert. In diesen werden in der Unterstufe Märchen, Legenden und Geschichten vermittelt. In heimatkundlichen Epochen wird diese Zeit für Sagen und Geschichten aus der Region genutzt. Später schaffen Fabeln und Erzählungen den Übergang zur Mittelstufe und zu umfangreicherer Literatur, die in Abschnitten sich über Tage und Wochen fortsetzt. In Epochen, in denen Geschichte vermittelt wird, liegt es nahe, Literatur oder Biographien aus der jeweiligen Zeit zu verwenden. Parallel zur Vermittlung naturwissenschaftlicher Inhalte werden dazu passende Biographien von Wissenschaftlern erzählt. Auf diese Weise wird nicht nur Phantasie angeregt, sondern auch die Fähigkeit veranlagt, sich in andere Menschen versetzen zu können und die Welt aus deren Perspektive sehen zu können.

In die Aktivitätsphasen werden wiederkehrend zu gleichen Zeiten im Jahreslauf Geometrie-Epochen eingegliedert. In der Unterstufe können teils aus Bewegungsabläufen farbige Linien als rhythmische Formen entwickelt werden, teils aus Vorstellungen gestaltete farbige Flächen. In beiden Fällen beginnt es altersgemäß mit Freihand-Geometrie. Später wird dies differenziert nach Alter und Fähigkeiten mit entsprechenden Hilfsmitteln zu exakter Geometrie gesteigert. Diese führt über Darstellungen regelmäßiger und unregelmäßiger Körper, deren Schnitte und Spiegelungen bis zu Dualität, polareuklidischer und projektiver Geometrie in der Oberstufe.

f) Reifung durch Besinnung

Regelmäßig wiederkehrende Rückblicke und Besinnungen auf Erlebnisse und Leistungen schaffen Voraussetzungen und fördern Reifung und Urteilsfähigkeit. Sie bilden ebenfalls eine gute Grundlage, um aus mangelhaften Leistungen und kritikwürdigem Verhalten zu neuen Orientierungen finden zu können. Die Rahmenbedingungen dazu werden von Lehrern/Lernbegleitern gestaltet. Anknüpfend an positiv zu würdigende Elemente des geleisteten werden gemeinsam Wege zur weiteren Entwicklung in der Zukunft aufgesucht.

Gelegenheiten dazu bieten sich besonders in den täglichen Abschlusskreisen, den Wochenrückblicken, am Ende von Epochen und in den Zeugnisgesprächen am Schuljahresende

g) Lernen als sozialer Prozess

„Eigentlich braucht jedes Kind 3 Dinge:
Es braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann,
es braucht Vorbilder, an denen es sich orientieren kann,
und es braucht Gemeinschaften, in denen es sich aufgehoben fühlt.“
10

Im Erleben von tätigen erwachsenen Menschen, die ihre Arbeit gern, mit sozialer Verantwortung und mit Überzeugung der Sinnhaftigkeit tun, finden die Kinder Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.

In gemeinsamer Tätigkeit mit anderen und der Aufgliederung komplexer Aufgaben in leichter oder schneller zu bewältigende Teilbereiche („Arbeitsteilung“) wird Gemeinschaftsbildung verwirklicht. Da können in der Gemeinschaft Aufgaben gelöst werden, die für einen Einzelnen zu schwer wären. Durch begleitete und geführte gemeinsame Bearbeitung aufgetretener sozialer Probleme und Fehlhandlungen wird nach und nach soziale Reife entwickelt.

Damit die angestrebte Freiheit des Lernens nicht zu Willkür und Chaos ausartet, bedarf es verbindlicher Entscheidungen und Absprachen. Dadurch kann nach und nach die Fähigkeit ausgebildet werden, Entscheidungen reifen zu lassen. Aus dem Zusammenwirken individueller Freiheit mit sozialer Verbindlichkeit entwickelt sich die Fähigkeit zu verantwortbarer Freiheit.

Tragfähige und verlässliche soziale Beziehungen durch Lernbegleiter/Lehrer, Lerngruppenbetreuer oder individuell verabredete Vertrauens-Begleiter, die „ihre“ Kinder über mehrere Jahre begleiten und durch Krisen führen, schaffen die Grundlage für das Gefühl der Sicherheit im Leben.

Durch regelmäßige Darbietungen von erarbeiteten Inhalten – gegenseitig und vor anderen , z. T. auch öffentlich – wird souveränes Auftreten geübt. Es kann dadurch aber auch gegenseitiges Interesse an Inhalten und Leistungen gepflegt werden.

10) Gerald Hüther

5.4. Dokumentation des Lernens und der Entwicklung

Die Schüler werden angeregt, Mappen (Portfolio) mit Darstellungen und Berichten ihrer Arbeiten und Erfahrungen (Lernfortschritte) anzufertigen. Am Schuljahresende bekommt jeder Schüler sein Zeugnis, in dem die Lernbegleiter/Lehrer die Leistungen und die Entwicklung des Schülers beschreiben und damit möglichst keine Kritik, sondern positive Anregungen zur weiteren Entwicklung geben. Auf abstrakte Beurteilungen durch Zensuren wird – mit Ausnahme der letzten zwei Jahre vor einem Schulabschluss – verzichtet.

Diese Zeugnisse werden vor der Ausgabe an die Schüler in speziellen Pädagogischen Konferenzen, den „Zeugniskonferenzen“ zur Einsicht, Abstimmung und ggf. Korrektur oder Verbesserung vorgelegt.

Die Übergabe der schön gestalteten Zeugnisse erfolgt in feierlicher Atmosphäre.

Angestrebt wird, als Ergänzung des Zeugnisses jedem Schüler der Unter- und Mittelstufe ein individuelles Leitmotiv für das kommende Schuljahr zu überreichen. Dies kann z.B in Form eines Spruches oder Gedichtes gestaltet sein.

Beurteilungen absolvierter Praktika werden von den jeweiligen Betrieben erbeten oder nach einem diesbezüglichen Gespräch eines Oberstufenbetreuers/Lehrers mit dem Betreuer des Praktikums erstellt.

Zum Abschluss der Schulzeit bekommt jeder Schüler zu seinem Portfolio als Zeugnis eine individuelle Beschreibung und Bestätigung seiner erbrachten Leistungen und erreichten Fähigkeiten.

5.5. Trägerschaft

Träger der Schule ist der gemeinnützige, eingetragene Verein „EntdeckerOase“. Die Mitarbeiter und Eltern werden Mitglieder des Vereins. Weitere Unterstützer und Freunde der EntdeckerOase können Mitglieder werden.

6. Realisierung im Gleichgewicht der Ideale

6.1. Zusammenleben im Schulalltag

a) Freiheit zum Lernen, Lehren und Entwickeln

Um auf die individuellen Bedürfnisse der jeweils real anwesenden Kinder eingehen zu können, bedarf es eines Freiraums bezüglich der Inhalte und Methoden bei der Begleitung von Lern- und Entwicklungsprozessen.

Die allgemeinen Lehrpläne sollen durch unsere Lehrer/Lernbegleiter so verarbeitet werden, dass diese den individuellen Bedürfnisse der Schüler weitgehend angepasst und nach Möglichkeit den aktuellen Stand der Wissenschaft zum Zeitpunkt ihrer Anwendung abbilden. Letzteres wird dadurch annähernd möglich, dass die Lehrer oder Lernbegleiter für bestimmte Gebiet persönliches Interesse entwickeln und sich selbstständig aktiv fortbilden. Damit wollen wir auch erreichen, dass Lehrer oder Lernbegleiter auf Kinder anregend wirken und als natürliche Autoritäten und „Fachleute“ ernst genommen werden.

b) Demokratie in der Gestaltung der Regeln des Zusammenwirkens

Die Zusammenarbeit von Lehrern und Lernbegleitern, die in den angedeuteten Freiräumen wirken, wird durch demokratisch zu verabredende Regeln des Zusammenwirkens zu einer übergeordneten Ganzheit – der gemeinsamen „Schule“ – verbunden. Dazu werden die unter 5.1. beschriebenen Konferenzen genutzt.

c) Brüderlichkeit zur Schaffung der wirtschaftlichen Voraussetzungen

Das Zusammenwirken von Lernbegleitern und Lehrern nicht nur mit Eltern, sondern zusätzlich mit Handwerkern und Künstlern und möglichst auch mit Bauern oder Gärtnern erfordert die Gestaltung neuer Formen wirtschaftlicher Kooperation. Um diese zu erreichen und erhalten zu können, werden die gegenseitigen Leistungen und deren Ausgleich in offenen Verhandlungen auf Augenhöhe vertraglich geregelt.

Zur finanziellen Beteiligung der Eltern wird ein allgemeiner Richtsatz zur Schulgeldvereinbarung jährlich in der Gesamtkonferenz verabredet. Durch sozialen Ausgleich soll der Besuch der EntdeckerOase auch Kindern aus finanziell benachteiligten Haushalten ermöglicht werden.

Sozialverträgliche Schulgeldvereinbarung werden in offener Absprache jährlich geregelt und aktualisiert. Durch offene Absprachen können auch widersprechende Argumente gegenseitig nachvollzogen und weiterentwickelt werden. Das ist auch ein Lernprozess für die beteiligten Erwachsenen und wirkt durch das indirekte Vorleben auch auf die Entwicklung sozialer Fähigkeiten unter den Kindern.

Mit den kooperierenden Handwerkern werden individuelle Regelungen zu Honoraren oder Übungsleiterpauschalen etc. verabredet.

6.2. Konkrete Gliederung zeitlicher Prozesse

a) Jahreslauf

Im Jahreslauf werden die Feste und Festeszeiten als gestaltete Höhepunkte des Jahres gemeinsam gefeiert. Das Schuljahr beginnt mit einem Fest zum Schulanfang und mit der Begrüßung der neuen Schüler in der Schulgemeinschaft. Die im Folgenden angeführten Beispiele sind kein fixierter Kanon der zu feiernden Feste, sondern eine weiter auszuführende und veränderbare Orientierung. Die Feste können auch dem kulturellen Umkreis der Kinder und Eltern entsprechend angepasst oder erweitert werden.

Das Michael-Fest führt mit Mutproben in den Übergang zur dunkleren Jahreszeit.

Zu Sankt Martin oder zu Beginn der Adventszeit wird ein Schul-Basar gestaltet, der einerseits der EntdeckerOase finanziell helfen soll, an dem andererseits aber auch bedürftiger Menschen gedacht und ihnen geholfen werden möge.

Wenn es personell realisiert werden kann, klingt das Kalenderjahr mit einer Weihnachtsspielaufführung aus und führt damit in die Stimmung der Weihnachtsferien.
Zum Faschingsfest darf etwas ausgelassener gefeiert werden und Lebensfreude sprühen, Ostern dagegen besinnlicher auf den Weg zur Freude zukünftiger Entwicklung durch Bejahung des Opfers und Hinweis auf die Vergänglichkeit des Leides.

Pfingsten bietet die Gelegenheit für ein Fest zum Feiern der Gemeinschaftsbildung und das Schuljahr wird mit einer festlichen Zeugnisausgabe und der Verabschiedung in die Sommerferien ausklingen.

Zusätzlich werden Aufführungen von Theaterstücken stattfinden und festliche Darbietungen fertiggestellter Arbeiten und des Gelernten, einschließlich guter handwerklicher und künstlerischer Leistungen. Solche festlich gestalteten Präsentationen von Schülerleistungen sind Ansporn zu guten Leistungen, ohne schwächer Schüler zu entmutigen.

Im Morgenkreis oder ggf. in den Gruppen werden die Geburtstage der Kinder und der Mitarbeiter in angemessen feierlicher Weise angesprochen.

In den letzten Wochen des Schuljahres werden – dem Alter und dem Entwicklungsstand der einzelnen Kinder entsprechend – mit den Kindern gemeinsam die Leistungen im vergangenen Schuljahr erinnert und bewertet. Dabei wird in positiver Grundhaltung hervorgehoben, was bereits gut gelungen ist, aber auch, was in anderen Bereichen noch zu erarbeiten ist und wie, bzw. mit welchen Hilfen diese Ziele erreicht werden können. Diese Gespräche bilden die Grundlage für die „Zeugnis-Konferenzen“ der Kollegien am Ende des Schuljahres, aus denen wiederum die schriftlichen Zeugnisse entwickelt werden.

Zu einigen Festen und zu „Bildungsfeiern“ kommen die Schüler verschiedener Gruppen zusammen und zeigen, berichten und stellen vor den anderen dar, was sie sich in der letzten Zeit erarbeitet haben.

Im Erleben und im Bearbeiten der Natur bilden die Jahreszeiten den Rahmen für den Rhythmus wiederkehrender Arbeiten. Andere Bereiche lassen sich in diesen Rahmen sinnvoll eingliedern und zur gleichen Zeit im folgenden Jahr wieder aufgreifen. Ähnliche Themen werden metamorphosiert zu ähnlichen Zeiten wieder aufgegriffen, vertieft und erweitert. Dabei werden jeweils für mehrere Wochen Schwerpunkt-Themen gesetzt.

b) Wochengliederung

Bestimmte sich wiederholende Veranstaltungen (Chor, Orchester, Theaterspiel etc.) und „Außer-Haus-Tage“ der Unter- und Mittelstufe – ökologische Gartenarbeit, Besuche und „Mitarbeit“ bei Handwerkern etc. – werden in Absprache mit den Betroffenen (Künstlern, Handwerkern, Betrieben, Helfern) nach Möglichkeit regelmäßig an gleichen Wochentagen und zu gleichen Zeiten durchgeführt.

Jeden Montag wird im gemeinsamen Morgenkreis ein Vorblick auf die Ereignisse der kommenden Woche durchgeführt.

Freitags wird im gemeinsamen Abschlusskreis ein Wochenrückblick mit dem Zusammentragen der durchgeführten Aktivitäten, besonderen Ereignisse und Auswertung besonderer Vorkommnisse gestaltet.

Wenn Tiere vorhanden sind, werden für deren Pflege und Versorgung feste und regelmäßige Zeiten verabredet.

Gartenarbeit kann durch die mit ihr verbundenen natürlichen Bedingungen Ausnahmen der allgemein verabredeten Zeitstruktur erforderlich machen.

In der Oberstufe werden wiederkehrende Gelegenheiten geschaffen, zu denen die Schüler zusammen kommen und ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus Projekten und Praktika den anderen vortragen. Dazu gehören auch Möglichkeiten zum Nachfragen und zum Austausch über die Inhalte und Berichte.

c) Tageslauf

• Unterstufe:
Ab 7:00 Uhr bis 8:30 Uhr täglich offene Ankunftsphase; in dieser Zeit wird auch das gemeinsame Frühstück vorbereitet.

8:30 Uhr Morgenkreis (verbindliche Zeit); hier werden täglich der Wochentag und das aktuelle Datum genannt, auf besondere Situationen und Ereignisse hingewiesen und die Geburtstage hervorgehoben. Anschließend wird gemeinsam gefrühstückt. Danach finden die Aktivitäten statt, die gegen Ende des Vormittags in eine besinnlich-erzählerische Stimmung ausklingen. Dabei können zu den jeweils ausgeführten Tätigkeiten Bezüge beschrieben werden, die das Getane in soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge eingebettet erkennen lassen.

12:00 – 13:00 Uhr Mittagessen; mindestens 1 mal pro Woche (regelmäßig) wird dies mit den Schülern gemeinsam vor- und zubereitet.

13: 00 Uhr Abschlusskreis der Unterstufe; danach offene Ausgangsphase bis 15:30 Uhr. In dieser Zeit können Geschichten erzählt oder vorgelesen werden. Es kann aber auch gemalt, gezeichnet oder gespielt werden. Bei Bedarf können praktisch-handwerkliche Tätigkeiten durchgeführt werden.

• Mittelstufe:
Ab 7:00 Uhr bis 8:30 Uhr täglich offene Ankunftsphase.

8:30 Uhr Morgenkreis (verbindliche Zeit); anschließend Lernangebote, die sich um monatlich wechselnde Schwerpunkt-Themen gliedern.

12:00 – 13:00 Uhr Mittagessen; mindestens 1 mal pro Woche (regelmäßig) mit den Schülern gemeinsam vor- und zubereitet.

13:00 – 14:30 Uhr künstlerische und praktisch-handwerkliche Epochen.

14:30 – 15:30 Uhr Abschlusskreis mit Erzähl-Anteil und offene Ausgangsphase. Darin werden z. B. Geschichten erzählt oder vorgelesen, die geeignet sind, die durchgeführten Tätigkeiten in größeren Zusammenhängen sehen zu lernen. Außerdem werden Rückblicke auf das Vollbrachte und Reflexion der Tageserlebnisse gepflegt.

• Oberstufe:
Gemäß ihrer Entwicklungspsychologischen Situation sollte der offizielle Beginn der Seminare für die Oberstufe später beginnen. Für eine konkrete Festlegung müssen die gegebenen Bedingungen durch Verkehrsverbindungen am Standort berücksichtigt werden. Sinnvoll wäre ein Beginn 8:30 Uhr. Dann kann die Oberstufe auch einmal wöchentlich am Morgenkreis teilnehmen.

Einzelne Seminare werden wegen anderweitiger Verpflichtungen von Gastdozenten evtl. abends stattfinden. Insgesamt wird die zeitliche Struktur der Oberstufe infolge von Praktika und stärker individualisierter Lernprozesse dynamischer gestaltet werden müssen. Es wird eine wesentliche Aufgabe eines Oberstufenbetreuers sein, diese Prozesse mit den Schülern gemeinsam zu koordinieren und zu strukturieren. Die Schüler werden dabei mit zunehmendem Alter und Reife nach und nach zu mehr Selbständigkeit angeregt.

7. Zukunft im Blick

7.1. Gliederung der ausgebauten EntdeckerOase

Die „EntdeckerOase“ gliedert sich im ausgebauten Zustand in Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe. Für die Unterstufen ist die Integration von Kindertagesstätten angestrebt. Von Beginn an soll eine kleine Kindergartengruppe eingerichtet werden, mit der die Unterstufe eng zusammenarbeiten wird.

Eine feste Einteilung in altersspezifische Klassen innerhalb dieser Stufen ist nicht vorgesehen. Für bestimmte Übungs- und Lernangebote können temporär leistungsbezogene Gruppen gebildet werden.

Die Bildung der Lerngruppen stützt sich auf die Pflege vertrauensvoller Beziehungen zwischen Lernbegleitern/Lehrern und Kindern.

Eine generelle Differenzierung nach Leistungen und Fähigkeiten findet nicht statt.

Die Unterstufe besteht aus mehreren kleinen dorfschulartigen Lernorten, die in ihrer individuellen Gestaltung an die konkreten Gegebenheiten des jeweiligen Ortes und der dort vorhanden Menschen angepasst werden. Die Unterstufe ist bevorzugt für Kinder von 4 Jahren bis zum Alter von etwa 9 bis 10 Jahren ausgerichtet. Dadurch kann der Übergang vom Spielen über Vorschule zum Erwerben schulischer Lerninhalte fließend und individuell gestaltet werden. Kenntnisse und Wissen bilden sich durch erlebte Erfahrungen in und an der Natur, durch Hausarbeiten, bei Handwerkern und Künstlern. Volkstänze, die für Feste erübt werden, rhythmische Sprachspiele, Hüpfspiele usw. vermitteln neben manchen anderen Fähigkeiten auch gute Grundlagen zum Umgang mit Zahlen. Geschichte wird durch Geschichten in der Stimmung von Märchen und Legenden, Spiele und kleine Theaterstücke vermittelt.

Am Ende der Unterstufe sollen die Schüler gleichwertige Kenntnisse und Leistungen wie Schüler staatlicher Schulen am Ende der 4. Klasse erreicht haben.

In der Mittelstufe kommen die Kinder der nächst folgenden Altersgruppe bis 13 oder 14 Jahre, eventuell aus mehreren Unterstufen, zusammen. Der Schwerpunkt verlagert sich in dieser Stufe zu einer Differenzierung in
• allgemeine Erfahrungsbereiche,
• künstlerische Übungen und
• naturwissenschaftliche Erkenntnisse.

Letztere werden im gedanklichen Durchdringen der durchlebten praktischen Erfahrungen und dem schrittweisen Erfassen gesetzmäßiger Zusammenhänge erworben. Dazu werden die Möglichkeiten von Versuchsanordnungen genutzt und in anzuregenden Gruppengesprächen ausgewertet.

Methodisches: Versuchsanordnungen und Beobachtungen der Schüler werden vor der Auswertung verglichen und aufgezeichnet. Bereits vorhandene Fragen sollen möglichst konkret formuliert und notiert werden. Dabei können durch Lernbetreuer/Lehrer Anregungen zu weiteren Fragen erfolgen. Mit einer Zusammenfassung dieser Fragen werden die Schüler zum Ende des Schultages verabschiedet. Erst am nächsten Tag wird dialogisch ausgewertet und – wenn möglich – der erkannte Zusammenhang sachlich korrekt formuliert. Es ist dabei besser, ungelöste Probleme als offenbleibende Fragen den Schülern bewusst zu machen als schnelle Antworten zu geben. Antworten schließen das Interesse ab, Fragen regen es zu weiterer Erforschung an.

Versuche, die sich über längere Zeiträume erstrecken, erfordern regelmäßig wiederholtes beobachten und notieren der Phänomene. Besonders im Gartenbau und Naturerleben ist es sinnvoll, Kalender zum Eintragen der Beobachtungen zu führen. Mit Hilfe phänologischer Beobachtungen und Vergleiche können charakteristische Entwicklungen erfasst werden.

Geschichte wird durch möglichst konkrete Beschreibungen des Lebens und Handelns repräsentativer Persönlichkeiten der jeweiligen Kultur und Zeitepoche vermittelt. Dies wird ergänzt durch praktische Tätigkeiten, die der jeweiligen Epoche nachempfunden sind und durch typische Literatur und Kunst, soweit diese aus der entsprechenden Kultur vorhanden sind. Besuche von Museen oder Kulturstätten der vermittelten Geschichtsepoche können nach der angedeuteten Vermittlung folgen. Da kann dann das in der inneren Gemüts- und Vorstellungswelt bereits Bekannte durch die in der Außenwelt noch vorhandenen Relikte „wiedererkannt“ und bestätigt werden.

Am Ende der Mittelstufe sollen die Schüler gleichwertige Kenntnisse und Leistungen wie Schüler staatlicher Schulen am Ende der 8. Klasse erreicht haben.

In die Oberstufe werden zunehmend längere Praktika – sowohl individuell als auch in Gruppen – integriert. Der eigentliche Unterricht wird teils als Projekte, teils seminaristisch gestaltet. Für Seminare werden zusätzlich zu den vorhandenen Lehrern/Lernbegleitern fachkundige Gastdozenten angeworben. Es sollen aber auch Seminare stattfinden, in denen fortgeschrittene Schüler an ihre Mitschüler vermitteln, was sie sich erarbeitet haben. Insgesamt gliedert sich die Oberstufe stärker in praktische Bereiche, „forschendes“ Lernen, künstlerischen Arbeiten und pflegerische Bereiche (Kinderbetreuung und Pflege, Altenpflege und Gesundheitspflege). Dies findet sowohl in fachlich geführten als auch in begleiteten selbstverwalteten Projekten statt. Dabei wechseln sich Aktivitäten mehr individuell oder in kleinen Gruppen an unterschiedlichen Arbeitsstätten [„Wanderjahre“] mit den Vorstellungen des Geleisteten in der EntdeckerOase und der Auswertung im Zusammenhang der Oberstufe ab. Durch die Berichte über Praktika und Projekte und die Auswertungen im Plenum von Oberstufengruppen wird der Blick und das Interesse der Jugendlichen auch auf Bereiche gelenkt, in denen sie nicht selbst aktiv waren.

In Abständen mehrerer Jahre werden große Projekte mit der gesamten Oberstufe durchgeführt. Diese sollen soziale Initiativen unterstützen. Dabei können unter der Anleitung von Fachleuten z. B. der Um- oder Ausbau von Gebäuden, die Gestaltung von Außenanlagen, die Anfertigung von Mobiliar oder Spielgeräten, aber auch Räumarbeiten usw. ausgeführt werden. Die Oberstufenschüler werden in die Vorbereitungen dazu einbezogen und übernehmen Teile davon selbständig. Dazu gehören auch die Beschaffung von Werkzeug und Material sowie die Berechnung von Kosten und ggf. die Einwerbung notwendiger Spenden. In diesem Zusammenhang werden auch die Geschichte und Kultur des jeweiligen Ortes erarbeitet. Falls das Projekt im Ausland stattfinden kann, gehört auch eine Einführung in die Sprache dazu.

Individuell kann für die Jugendlichen die Schule in den letzten Jahren in eine konkrete Berufsvorbereitung und Ausbildung führen oder zu wissenschaftlich geprägten Forschungsaufgaben hinleiten.

Jeder Schüler der Oberstufe kann auf Antrag und gemäß seiner Leistungen und Fähigkeiten an einer Abschlussprüfung teilnehmen und zusätzlich zu seinem Portfolio mit Abschlusszeugnis (Siehe 5.5) den entsprechenden staatlich anerkannten Abschluss (Förderschul-, Hauptschul-, Realschul- oder Gymnasialabschluss) bekommen.

7.2. Geplanter Ausbau in den nächsten Jahren

Voraussichtliche Entwicklung der Schule EntdeckerOase und der Zahl der Schüler:
• Beginn im Sommer 2023 mit max. 50 Kindern in Würchwitz;
• Die Schule beginnt mit der Unterstufe und einer kleineren Gruppe in der Mittelstufe. Parallel wird eine Kita-Gruppe in Kooperation mit der Unterstufe eingerichtet;
• vorerst jährlich ca. 5 weitere Kinder aufnehmen.
• Ab Schuljahr 2024/25 den nächsten Lernort einrichten. Die einzelnen Lernorte in gut überschaubarer Größe halten. In einem Lernort soll jeder jeden kennen.
• Einrichtung der Oberstufe ab Schuljahr 2027/28 oder nach Bedarf.
• Nach und nach Eingliederung weiterer praktisch-handwerklicher und künstlerischer Bereiche durch Einbindung von Handwerkern und Künstlern.
• Wir streben an, Tierhaltung in unterschiedlichen Formen zu integrieren. (Punkt 5.2. a) Die pädagogischen Qualitäten dafür liegen auf der Hand. In welcher Weise solche Möglichkeiten geschaffen werden können, muss an den jeweiligen Standorten geprüft werden.

7.3. Ruhe-Insel

Im Alltag und besonders im Rückblick auf das Tagesgeschehen im Abschlusskreis wird zwar Sozialverhalten und Rücksichtnahme geübt, aber es kann aus unterschiedlichen Gründen sinnvoll sein, zusätzlich Ruheinseln zu schaffen. Dort können besonders sensible Kinder Ruhe finden, wenn ihnen die anderen zu laut sind. Dort können aber auch Kinder zur inneren Ruhe finden, wenn sie sich selbst zu sehr aufgeregt haben.

7.4. Stichpunktartige methodische Hinweise

Diese Hinweise stellen weder verbindliche Regeln dar noch beanspruchen sie Vollständigkeit. Sie sind Anregungen, die in den konkreten Lernprozessen durch weitere ergänzt und durch andere ersetzt werden. Sowohl die Erfahrungen und Intuitionen der Lehrer/Lernbegleiter als auch die Interessen und Fähigkeiten der Kinder können und sollen zu neuen Ideen anregen. (Vgl. auch 5.3.)

Einführung der Schrift: Buchstaben durch Bilder oder aus der Bewegungsdynamik entwickeln; bereits bei der Einführung der Buchstaben durch die Art der Darstellung Konsonanten und Vokale unterscheiden; Vokale gefühlsbetont, Konsonanten bildhaft.

Computer-Technologie:
a) „Entmythologisieren“ durch Vermittlung elementarer Funktionen, z. B. durch den Bau von elektrischen „Und-oder-Schaltungen“, Rechnen im binären Zahlensystem und Darstellung der „Rechteverwaltung“ in Linux-Systemen;
b) Umgang mit unterschiedlichen Betriebssystemen (Linux, Apple, Microsoft);
c) Behandlung von Datenschutz und Datenmissbrauch.

Grundregel für viele praktische Versuche: Ergebnisse erst Schätzen oder Raten→ danach praktisch korrektes Erfassen/Messen und Feststellen; dadurch Gefühls- und Empfindungsurteile bewusst machen und durch Korrektur schulen.

Rechnen / Mathematik / Geometrie:
• Zahlen und Zahlenreihen in der Unterstufe durch Rhythmus üben (z.B. Ballspiele; vorwärts und Rückwärts;
„Praktisches“ Rechnen im Alltag: Haushalt, Einkauf, Garten etc.
• Einführung negativer Zahlen in der Mittelstufe z. B. durch Treppen auf- und absteigen, später erst durch Geld und Schulden; es bleib dadurch objektiver und spricht weniger Egoismus an;
• Bruchrechnung in realen Lebenssituationen einführen: Kuchen u. Torte teilen …;
• Trigonometrie in Verbindung mit Landvermessung;
• Würfelschnitte und Ähnliches aus Vorstellungsbildern entwickeln und erst danach zeichnen → besonders empfehlenswert zur Strukturierung des chaotischen Seelenlebens in der Pubertät;
• Buchführung anhand konkreter Projekte und ihrer Finanzierung;
• Kombinatorik z. B. aus möglichen Sitzordnungen usw.

Das Konzept wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf den Erfahrungen entsprechend an aktuelle Bedürfnisse der Kinder und die realen Gegebenheiten angepasst und weiterentwickelt.
In die zukünftigen Ausarbeitungen und Formulierungen des mit und in der Praxis weiter zu entwickelnden Konzeptes, werden die Mitarbeiter verantwortlich einbezogen.